INDUSTRIEBAU LEINFELDEN-ECHTERDINGEN

Kernsanierung, Umbau, Umnutzung
Industriebau mit Produktion, Verwaltung, Entwicklung und Versammlungsstätte
Neubau, Anbau und Erweiterung der Firmenzentrale mit Produktionsstätte
Leinfelden-Echterdingen
2024
Neues Headquarter mit herausragender Architektur

Mit dem diesem Campus in Leinfelden-Echterdingen wurde ein hochkomplexer Industrie- und Verwaltungsstandort im laufenden Betrieb umfassend erweitert. Produktion, Forschung, Entwicklung, Schulung und Verwaltung werden hier ebenso zusammengeführt wie ein Betriebsrestaurant, Ausstellungsflächen, Fitnessbereiche und eine Tiefgarage. Die Firmenzentrale wurde um rund 16.800 m² Bruttogrundfläche ergänzt. Die Schichtung und Verschränkung der unterschiedlichen Nutzungen prägt dabei maßgeblich die architektonische Ausformulierung des Ensembles.

Grundfläche
12.000 m2
Auftraggeberin
Euchner GmbH

Beteiligte / Architekt*in
Dipl. Ing. Ute Pfaff
Dipl. Ing. Rolf Mühleisen
M.A. Franz Mühleisen
M.A. Simon Treml
M.A. Fabian Schnee
Dipl. Ing. Niina Haekkinen
Dipl. Ing. Gabi Danner

Visualisierungen
MUP, Stuttgart

Fotos
MUP, Stuttgart, Anna-Lena Platzer

Die Campus-Situation wird durch zwei langgestreckte Baukörper und eine über 30 Meter spannenden Brückenkonstruktion gefasst. In Anlehnung an eine Blockrandstruktur entsteht ein klar definierter, identitätsstiftender Ort, dessen städtebauliche Qualität aus allen Richtungen erfahrbar ist. Die Nachbarbebauung, die differenzierte Höhenentwicklung sowie die Fernwirkung zur Bahntrasse und zur Landebahn des Stuttgarter Flughafens wurden bewusst in die Entwurfsstrategie integriert. Die unterschiedlichen Nutzungen lassen sich an den variierenden Orientierungen der collageartig gefügten Baukörper ablesen. In Teilen orientiert sich die Höhenentwicklung des Neubaus am Bestand, sodass die bestehende Produktionshalle und der darüberliegende Büroriegel ohne Versatz erweitert werden konnten. Der westliche Riegel folgt aufgrund städtebaulicher Vorgaben einer eigenständigen Höhenstaffelung. Er ist über die Tiefgarage und das Brückengeschoss mit dem Bestand verbunden. Höhenunterschiede wurden durch Zwischengeschosse und ein differenziertes Geschosskonzept funktional und räumlich überzeugend gelöst.

Als produzierender Standort wurde der Logistik eine zentrale Bedeutung eingeräumt. Eine einspurige Durchfahrt ermöglicht es, das Grundstück mit einem Sattelzug vollständig zu durchqueren. Anlieferung und Abtransport erfolgen damit ohne Rangiermanöver und mit hoher Betriebssicherheit. Diese technische Erschließung wird durch ein gezacktes Bauwerk ergänzt, das Fahrradgarage, Erschließung, Treppenräume, Lüftungsöffnungen und Lagerflächen aufnimmt. Ein bewusster Höhensprung trennt die technische Anlieferung vom Campusbereich mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Empfangsebene im Westflügel wird über eine großzügige Vorfahrt mit aufsteigender Überdachung erschlossen und als einladende Geste formuliert. Hier sind öffentliche Nutzungen sowie die Versammlungsstätte angeordnet. Die großzügige Raumhöhe und das gegenüber der Hauptachse herausgedrehte Betriebsrestaurant definieren eine zweite städtebauliche Orientierung. Diese Drehung bildet eine prägnante Flanke zur südlich angrenzenden Straße, ohne den Straßenraum zu beanspruchen.

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„In Anlehnung an eine Blockrandstruktur entsteht ein klar definierter, identitätsstiftender Ort, dessen städtebauliche Qualität aus allen Richtungen erfahrbar ist“

Als räumliche und funktionale Drehachse dient die Haupterschließung im Westflügel: eine offene Wendeltreppe, die als skulpturales Stahlelement von der Tiefgarage bis in Ebene 6 führt. Das verglaste Treppenhaus markiert diese Achse nach außen sichtbar und übernimmt zugleich die Belichtung der vertikalen Erschließung. In Ebene 4 wird der Westflügel von einer aus dem Ostflügel kommenden Brückenkonstruktion durchdrungen. Die Brücke spannt rund 30 Meter, kragt nach der Durchdringung der Drehachse nochmals aus und erreicht so eine Gesamtlänge von etwa 60 Metern. Sie verbindet Forschung und Entwicklung mit Verwaltung und Nebenfunktionen, übernimmt die notwendige Erschließung und beherbergt großzügige Schulungsräume.

Mit einer Tiefe von 20 Metern ermöglicht der Brückenkörper umlaufende Balkone, flexible Raumkonfigurationen sowie einen zentralen Erschließungsflur. Das Dach der Brücke dient zusätzlich als Terrasse. Die verspiegelte Untersicht lässt den Brückenkörper visuell mit der Umgebung verschmelzen und reflektiert nachts die Dachbegrünung des darunterliegenden Restaurants. Auf diese Weise wird die Campus-Situation räumlich zu drei Seiten geschlossen. Parallel zu den nahegelegenen Eisenbahngleisen verlaufend, setzt die offene Stahlkonstruktion als Fachwerkträger mit gerundeten Knotenpunkten ein weithin sichtbares Zeichen. Die sorgfältig geschichteten Baukörper, Terrassen und Vordächer bilden ein Ensemble, das funktional klar ablesbar bleibt und zugleich einen starken architektonischen Ausdruck entwickelt.

Das Gebäude fügt sich selbstverständlich in sein Umfeld ein und bewahrt dennoch eine eigenständige Identität. Energie- und Gebäudekonzept Die Gebäudetechnik erfüllt hohe energetische Anforderungen und entspricht der KfW-Klassifizierung. Photovoltaikanlagen, Bauteilaktivierung, Restwärmenutzung, passive Kühlung sowie eine intelligente Gebäudeautomation bilden ein integrales Energiekonzept. Der Bestand wurde bewusst in die Gesamtanlage eingebunden und als wertvolle Substanz erhalten. Durch den hohen gestalterischen Anspruch und die flexible Nutzbarkeit ist dem Ensemble eine überdurchschnittlich lange Lebensdauer eingeschrieben. Innenraum Die hohe Nutzungsdichte erforderte differenzierte gestalterische Lösungen im Innenraum.

Besonders die Erdgeschosszone wurde hochwertig ausgearbeitet und ganzheitlich betrachtet. Die Lichtführung fungiert hier als Leitsystem und unterstreicht den Charakter des Gebäudes als moderner, zukunftsweisender Industriebau. Einen bewussten Gegenpol bildet das Betriebsrestaurant, das mit weichen Formen und warmen Farben eine wohnliche Atmosphäre erzeugt. Der gesamte Entwurfs- und Planungsprozess wurde durchgängig mittels 3D-Werkzeugen begleitet, um räumliche Wirkungen frühzeitig zu überprüfen und eine lückenlose Abstimmung mit der Bauherrschaft sicherzustellen. Das Gebäude wurde konzeptionell als „Maschine“ gedacht, die ihre Funktionen nicht verbirgt. Technische Installationen bleiben sichtbar und werden als Teil der architektonischen Ordnung geschichtet.

Ein Fassadenraster von 140 cm erlaubt variable Bürogrundrisse, die nutzerspezifisch angepasst werden können. Ergänzend wurde ein Vorhangsystem entwickelt, das eine flexible Zonierung der Arbeitsbereiche ermöglicht. Der Bürobereich präsentiert sich dadurch als modular und anpassungsfähig. Fassade Die individuell ausgeformten Fugen der Aluminium-Paneele werden zur gestalterischen Handschrift der Fassade. Fein abgestimmte Eingriffe – wie das gezielte Herauslösen der Fensterbänder aus dem Fassadenraster, versetzte geschlossene Felder und subtrahierte Loggien – bilden ein klar definiertes Regelwerk, das dem Gebäude Tiefe und Präzision verleiht.

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