

NEUBAU PASSIV HAUS
Neubau mit Einliegerwohnung
Schorndorf
2023
Neubau am komplexen Hanggrundstück
Neubau eines Passivhauses in Schorndorf
Grundstruktur und Materialität
Das Einfamilienhaus mit integrierter Einliegerwohnung befindet sich an einem Nordhang in Schorndorf. Die zuvor vorhandene, kleinteilige und stark verschachtelte Bebauung mit unzureichender baulicher Qualität wurde vollständig rückgebaut und durch eine klar strukturierte, langlebige Neubaukonzeption ersetzt.
Der Neubau folgt einem nachhaltigen Material- und Energiekonzept. Zum Einsatz kamen Recyclingbeton sowie ökologische Dämmstoffe aus Zellulose und Holzfasern. In Verbindung mit der vorgehängten Holzfassade entsteht eine ressourcenschonende Bauweise, die zugleich ein ausgewogenes und dauerhaft behagliches Raumklima gewährleistet.



Grundfläche
280 m2
Auftraggeberin
Privat
Beteiligte / Architekt*in
M.A. Franz Mühleisen, Dipl. Ing. Rolf Mühleisen M.A. Martin Klinger M.A. Kay Kohler
Visualisierungen
MUP, Stuttgart
Fotos
MUP, Stuttgart, Anna-Lena Platzer


Im Innenraum wurde bewusst auf den Einsatz von Kunststoffen verzichtet. Holzfenster, Schiebetüren sowie Innentüren aus massivem Vollholz mit gewachster Oberfläche prägen die Atmosphäre und unterstreichen den hohen handwerklichen Anspruch. Eine klar organisierte innere Erschließung, Parkettböden sowie eine flächendeckende Fußbodenheizung ergänzen das ganzheitliche Konzept. Das Ergebnis ist ein Passivhaus, das ökologische Verantwortung, konstruktive Qualität und architektonische Klarheit auf überzeugende Weise vereint.
Bauphysik
Die Außenwände sowie die Bereiche zwischen den Dachsparren wurden vollständig mit eingeblasenen Zellulosefasern gedämmt. Das Material wird unter hohem Druck eingebracht und füllt sämtliche Hohlräume homogen aus, wodurch Wärmebrücken zuverlässig minimiert werden. Als Recyclingwerkstoff leistet die Zellulosedämmung zudem einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Gesamtbilanz des Gebäudes.
Die Überdämmung der tragenden Bauteile erfolgte mit Holzweichfaserplatten, die aus Holzreststoffen hergestellt werden. Dieses diffusionsoffene Dämmsystem unterstützt nicht nur den sommerlichen Wärmeschutz, sondern fördert auch ein dauerhaft ausgeglichenes Feuchteverhalten der Konstruktion.
Neben der nachhaltigen Wärmeversorgung durch eine großflächige Photovoltaikanlage in Kombination mit einer Wärmepumpe spielt die Ausrichtung des Baukörpers eine zentrale Rolle. Der Entwurf maximiert gezielt den solaren Wärmeeintrag in den Wintermonaten. Eine zweigeschossige Eckverglasung in südwestlicher Orientierung sorgt für hohe passive Gewinne, während eine außenliegende Verschattung im Sommer einen wirksamen Hitzeschutz gewährleistet.
Der Wohnraum sowie die vertikale Erschließung sind über drei Geschosse hinweg als zusammenhängendes Raumgefüge organisiert und dienen der Belüftung.
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„Zum Einsatz kamen Recyclingbeton sowie ökologische Dämmstoffe aus Zellulose und Holzfasern“
Die Orientierung des Baukörpers reagiert präzise auf die besondere Topografie des Nordhangs. Die Öffnung zum ansteigenden Gelände nach Süden war ein wesentlicher Entwurfsparameter. Durch die zweigeschossige Verglasung gelangt viel Tageslicht in den Wohnraum, wodurch ein sich mit den Jahreszeiten wandelndes Lichtspiel entsteht.
Der Lichthof kaskadiert über alle drei Wohngeschosse bis unter das Dach und führt als räumlich inszeniertes Element durch Flure und Galerien. Im Dach öffnet ein gezielter Einschnitt den Baukörper zu einer Loggia mit Blick über das Tal. Hier befinden sich zudem eine Außendusche sowie der Zugang zur Sauna.
Trotz klarer Linienführung und konsequent abgeleiteter Entwurfsparameter bewahrt sich das Gebäude eine gewisse Leichtigkeit – und lässt seinen architektonischen Sinn für Humor bewusst sichtbar werden.



